Dalla Germania una difesa della didattica in presenza

Zur Verteidigung der Präsenzlehre
Una lettera aperta delle Università tedesche (3.6.2020)

[Il documento che presentiamo è in questi giorni sottoscritto da centinaia di docenti delle Università tedesche ed europee. Si intitola In difesa dell’insegnamento in presenza. Traduciamo e riassumiamo le sue tesi principali:

“Gli ultimi anni hanno visto il diffondersi dell’insegnamento digitale prima come supporto all’insegnamento in classe, poi come integrazione, e infine come possibile alternativa; ora, con il Coronavirus, anche come una felice salvezza”.

Ma tuttavia è da ricordare che:

1. L’università è un luogo di incontro. Conoscenza, approfondimento, critica, innovazione: tutto ciò è possibile soltanto grazie alla condivisione dello spazio sociale.
2. Lo studio è un momento di vita collettiva. Durante gli studi, gli studenti sviluppano legami, amicizie, condivisioni che sono di essenziale importanza. La vita in comunità non può essere riprodotta in forme virtuali.
3. L’insegnamento universitario si basa su uno scambio critico, fondato sulla collaborazione e la fiducia  tra persone adulte e mature. La sociologia, la pedagogia, le scienze cognitive e le scienze umane concordano tutte sul fatto che il dialogo in presenza è sempre la condizione migliore. Anche questo non può essere trasferito in forme virtuali senza subire perdite consistenti .

Tre aspetti: guardando a questi, vogliamo ricordare il valore dell’insegnamento in classe. Chiediamo un attento, graduale e autonomo ritorno alla didattica in presenza.

Il Corona virus non dovrebbe diventare un’occasione per implementare modalità di insegnamento la cui validità è stata apertamente e criticamente messa in discussione prima del virus.

L’insegnamento in presenza deve essere difeso come fondamento di una vita universitaria integrale”.


Pubblichiamo qui sotto il documento completo.

In den letzten Jahren haben sich an den Hochschulen Elemente einer digitalen Lehre immer mehr durchgesetzt: zunächst als Unterstützung der Präsenzlehre, dann als deren Ergänzung oder gar als eine mögliche Alternative, und nun, mit Corona, als glückliche Rettung. Und in der Tat: Ohne digitale und virtuelle Formate hätte sich das Sommersemester 2020 nicht durchführen lassen. Und auch grundsätzlich leisten digitale Elemente mittlerweile einen wertvollen Beitrag zur Hochschullehre. Im Gefühl des plötzlich möglichen digitalen Sprungs nach vorn drohen indes drei Aspekte verloren zu gehen, die unserer Überzeugung nach von grundlegender Bedeutung für das Prinzip und die Praxis der Universität sind:

1. Die Universität ist ein Ort der Begegnung. Wissen, Erkenntnis, Kritik, Innovation: All dies entsteht nur dank eines gemeinsam belebten sozialen Raumes. Für diesen gesellschaftlichen Raum können virtuelle Formate keinen vollgültigen Ersatz bieten. Sie können womöglich bestimmte Inhalte vermitteln, aber gerade nicht den Prozess ihrer diskursiven, kritischen und selbständigen Aneignung in der Kommunikation der Studierenden.

2. Studieren ist eine Lebensphase des Kollektiven. Während des Studiums erarbeiten sich die Studierenden Netzwerke, Freundschaften, Kollegialitäten, die für ihre spätere Kreativität, ihre gesellschaftliche Produktivität und Innovationskraft, für ihren beruflichen Erfolg und ihre individuelle Zufriedenheit von substantieller Bedeutung sind. Dieses Leben in einer universitären Gemeinschaft kann in virtuellen Formaten nicht nachgestellt werden.

3. Die universitäre Lehre beruht auf einem kritischen, kooperativen und vertrauensvollen Austausch zwischen mündigen Menschen. Dafür, so sind sich Soziologie, Erziehungs-, Kognitions- und Geisteswissenschaften völlig einig, ist das Gespräch zwischen Anwesenden noch immer die beste Grundlage. Auch dies lässt sich nicht verlustfrei in virtuelle Formate übertragen.

Mit Blick auf diese drei Aspekte wollen wir den Wert der Präsenzlehre wieder in Erinnerung rufen. Wir fordern eine – vorsichtige, schrittweise und selbstverantwortliche – Rückkehr zu Präsenzformaten. Was die Schulen zu leisten in der Lage sind, sollte auch Universitäten möglich sein: die Integration von Elementen der Präsenzlehre, etwa in kleineren Gruppen in größeren zeitlichen Abständen, je nach Bedarf, je nach lokalen Gegebenheiten. Einzelne Universitäten, einzelne Fakultäten könnten hier individuelle, verantwortliche Modelle entwickeln.

Wir weisen auf die Gefahr hin, dass durch die aktuelle Situation die herkömmlichen Präsenzformate an Wertschätzung und Unterstützung durch die Hochschulleitungen, die Bildungsministerien und die Politik verlieren könnten, eine Unterstützung, die sie in der Zeit nach Corona dringend brauchen werden. So sinnvoll und wichtig Maßnahmen zur Bekämpfung des Virus sind: Corona sollte nicht zu einer nachgereichten Begründung für Entwicklungen in der Lehre werden, die vor Corona offen und kritisch diskutiert wurden. Diese kritischen Debatten dürfen nicht durch scheinbare Evidenzeffekte, wie sie die Pandemie bisweilen produziert, abgekürzt werden.

Die Präsenzlehre als Grundlage eines universitären Lebens in all seinen Aspekten gilt es zu verteidigen.